Geschichte des Hauses
(Beitrag vom 07.07.2011)

Nach Otto Geyer erhielt die Bräugasse - im 17. Jahrhundert noch "Khuestain" genannt - ihren Namen nach einer inzwischen aufgelassenen Brauerei. Dieses Bräuhaus, in dem braunes Bier ausgeschenkt werden durfte, ist nach ihm schon 1295 bezeugt .

Otto Geyer führt die Bräuhaustradition jedoch noch weiter zurück bis in das Jahr 1259. Da für diese Angabe kein Quellenverweis oder -beleg angegeben ist, liegt die Vermutung nahe, er stütze sich hierbei auf Alexander Erhard, der in Zusammenhang mit dem Bräuhaus Wieninger, früher Jakob Hartl, in der Bräugasse bezüglich des angeblich hohen Alters des Bräuhauses eine Biersteuerbefreiung des Otto von Holzhaim durch Bischof Otto im Jahre 1259 erwähnt .

Der bisher früheste Beleg eines Brauereibetriebes durch die Familie Kröll ist das Mitgliedsbuch der Waagbruderschaft. "Georg Khroll Preuverwanter" trat danach der Bruderschaft im Jahr 1594 bei.

Von der Familie Kröll übernahm Joseph Adam von Riedl die Brauerei, der sie an die Familie Hartl verkaufte. Im Jahre 1809 war die Brauerei im Besitz von Jakob Hartl, nach dessen Tode 1860 wurde die Brauerei Eigentum von Franz Xaver Wieninger. Die Lokalisierung des Komplexes aus drei nebeneinander liegenden Häusern, ist durch die ab 1819 für Passau vorhandenen Adressbücher unzweifelhaft gesichert, und da eine Verlegung der zum Brauen notwendigen Anlagen sicher nicht ohne Not erfolgte und eine solche für den untersuchten Zeitraum nicht nachweisbar ist, ist es wahrscheinlich, dass die durch das Gültbuch des Johannes-Spitals in der Bräugasse nachweisbaren drei Häuser des Brauherrn Kröll an der selben Stelle standen, wie die heutigen Gebäude.

Von dem genannten Wieninger erwarb Franz Stockbauer das Anwesen für 200.000 Gulden. Unter Franz Stockbauer nahm die Brauerei wirtschaftlich einen bedeutenden Aufschwung, so dass die Brauerei aus Kapazitäts- und Platzgründen 1893 an die jetzige "Hans-Kapfinger-Straße" in einen 1889 begonnenen Neubau verlegt wurde.

Kulturmodell Außenansicht hochIm hier fraglichen Haus Nr. 9 des Komplexes wurde aber noch bis mindestens 1910 eine "Malzdorre" betrieben, für die ehemals umfangreiche Kaminanlagen bestanden, die nach 1893 errichtet wurden. Die Bauvollendungsanzeige einer Verstärkung dieser Kaminanlage in der "Mälzerei" datiert aus dem Jahre 1910. Im Jahre 1895 wurde zudem ein Plan für eine Krananlage erstellt, die an den vorragenden Balken des Dachfensters an der Fassade aufgehängt war. Dieser Lastenaufzug wurde von der Firma Candi & Co noch benutzt, im Jahre 1961 vom Besitzer als ungenutzt gemeldet und in Folge verplombt und schließlich zum Teil abgebaut. Reste sind an der Fassade heute noch gut sichtbar.

Das Unternehmen wurde 1906 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, mit dem Namen "Bayerische Löwenbrauerei Franz Stockbauer A.G.", die Häuser in der Bräugasse verblieben bis Anfang der 50er Jahre dieses Jahrhunderts im Besitz der "Stiftung Stockbauer".

Nach dem zweiten Weltkrieg wurden die fraglichen Häuser veräußert und für eine Bonbonfabrikation genutzt - die schon genannte Bonbonfabrik "Candi & Co" von Hans Bentscha.

Die Fabrik bestand offiziell von 1948-1962, produzierte aber wohl nur bis etwa 1960. Im Rahmen ihrer Liquidation wurde als Grund für die Geschäftsaufgabe der Verlust der Wettbewerbsfähigkeit aufgrund von Hochwasserschäden angeführt. Ab Mitte 1962 richtete sich der Möbelhändler Anton Schönberger in den Räumlichkeiten ein Lager ein, danach nutzte der Omnibusunternehmer Hans Eckerl Räumlichkeiten im Haus als Reisebüro mit Sportstadel, ab 1987 als Getränkeabholmarkt.

Nach Erwerb durch die Stadt Passau besteht seit 1991 in dem Haus ein "Kulturmodell", bei dem Künstlern Atelier-, Wohn- und Ausstellungsräume und eine Bühne zur Verfügung stehen.


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