Die Vorgeschichte

Kultur braucht Raum. In den 1980er-Jahren wurde in Passau die Raumnot der Kulturschaffenden - sei es in Kunst, Theater oder Musik - immer unerträglicher. Ein dringender Handlungsbedarf zeichnete sich ab. Die städtische Verwaltung handelte. Nach unzähligen Vorschlägen, Besichtigungen, Prüfungen und "Verwerfungen" fand man ein Objekt, mit dem man es probieren wollte.
Kutlutrmodell frontal quer klein
Ein Haus mit einer langen und spannenden Geschichte in einer "Top-Lage" bot sich der Stadt zum Verkauf an; und die Stadt kaufte das Haus Bräugasse 9, ehemals Brauerei, Bonbonfabrik, Schülerheim, Möbellager. Der Erwerb geschah ursprünglich mit dem Plan, die Räume für das aus den Nähten platzende Stadtarchiv zu nutzen. Ein glücklicher Zufall wollte es, daß eine Auslagerung des Archivs nicht mehr nötig war. Dem Einstieg in eine kulturelle Nutzung stand nichts mehr im Weg.

In vielen Gesprächen zwischen Kulturschaffenden und Verwaltung kristallisierte sich das Konzept eines Künstlerhauses heraus. Ein entscheidendes Scharnier des Ganzen war die angestrebte Künstlerselbstverwaltung - gewissermaßen ein Experiment: Die Künstler sollten das Haus in eigener Regie nutzen. Die Unwägbarkeiten, das Unvorhersehbare, ja wohl auch das mögliche Scheitern wurden bewußt in Kauf genommen. Aber man wußte, erahnte zumindestens die Vorteile der Kehrseite: kreativer und produktiver Freiraum - keine Verkrustungen, sondern Offenheit für Veränderung - Effektivität der Selbststeuerung - minimaler Einsatz von Geld und Personal.

Der Stadtrat bewilligte den Versuch - das Kulturmodell - für zunächst maximal fünf Jahre. Der Startschuß fiel 1991. Werkstatt, Ausstellungs- und Veranstaltungsraum, Probebühne, Proberäume und Wohnungen für den Künstleraustausch wurden eingerichtet; in vielen Dingen zwar provisorisch, durch die Eigenverwaltung aber praxisnah. Das Kultusministerium stellte 100.000 DM für die Anschaffung einer Lithographie-, Radier- und PC-Werkstatt zur Verfügung: das bedeutete eine entscheidende finanzielle Unterstützung, aber auch guttuende staatliche Anerkennung! Es rührte sich was; es wurde gearbeitet, ausgetauscht, präsentiert. Bei den Kommunalpolitikern wandelte sich anfängliche Skepsis in durchgängige Zustimmung um.

Und siehe da: es funktionierte!

Dr. Winfried Helm/ Hubert Huber



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