Sehr geehrte Damen und Herren,
ich darf Sie alle hier, im neu sanierten Ausstellungsraum des Kulturmodells
Bräugasse, sehr herzlich willkommen heißen und freue mich, dass Sie der
Einladung der Stadt zur Wiedereröffnung dieses Raumes und der gleichzeitigen
Eröffnung der Ausstellung "Neue Arbeiten aus der Druckwerkstatt"
gefolgt sind.
Besonders begrüßen darf ich die verschiedenen Vertreter des öffentlichen
Lebens in unserer Stadt, vor allem auch die Kolleginnen und Kollegen des
Stadtrates.
Ein besonderer Gruß richtet sich an den Vorsitzenden des Berufsverbandes
Bildender Künstler, Herrn Hubert Huber, für mich schon fast das
personifizierte Kulturmodell, der später selbst auch noch einige Worte an uns
richten wird.
Herzlich begrüßen möchte ich alle im Haus tätigen Künstlerinnen und
Künstler, vor allem aber Andi Schlögl vom Tanzmodell und Christa Macht, die
Vorsitzende der Artothek Ostbayern e.V., die in der Künstlerselbstverwaltung
des Hauses sehr engagiert sind.
Sehr herzlich willkommen heißen darf ich natürlich die Künstlerinnen und
Künstler, die ihre Arbeiten anlässlich der heutigen Wiedereröffnung des
Ausstellungsraumes hier im Kulturmodell präsentieren. Ich werde sie später
noch alle namentlich vorstellen.
Meine sehr verehrten Damen und Herren,
über 2 Jahre ist es nun schon her, dass hier eine Ausstellung eröffnet werden
konnte.
Ich erinnere mich, als im Oktober 1998 die Nachricht kam, dass der
Ausstellungsraum im Kulturmodell wegen Einsturzgefahr des Bodens geschlossen
werden muss. Von dieser Situation wurden alle Beteiligten damals völlig
überrascht.
Zum einen die Stadt, auf die unvorhergesehen eine finanzielle Belastung zukam.
Zum anderen die Künstler, deren Ausstellungstermine plötzlich abgesagt werden
mussten.
In den vergangenen 2 Jahren gab es auch keine Alternative, um all die geplanten
Ausstellungen durchführen zu können.
Dies zeigt, wie sehr der Ausstellungsraum im Kulturmodell Bräugasse benötigt
wird und dass er aus der Kulturlandschaft unserer Stadt einfach nicht mehr
wegzudenken ist.
Lange genug hat es nun gedauert, bis die Sanierung durchgeführt war.
Eigentlich sollte ja nur der Boden des Ausstellungsraumes erneuert werden.
Als bei der Regierung von Niederbayern dafür Städtebaufördermittel beantragt
wurden, hieß es dort jedoch, dass man gerne bereit wäre, die Baumaßnahme zu
bezuschussen. Voraussetzung dafür allerdings wäre, dass die Stadt das gesamte
Gebäude Zug um Zug saniert.
Ich kann mich an lange Diskussionen über das Für und Wider einer
Generalsanierung im Kulturausschuss erinnern.
Meine Kolleginnen und Kollegen im Stadtrat haben es sich mit einer Entscheidung
darüber tatsächlich nicht einfach gemacht.
Letztlich aber wurde beschlossen, das Kulturmodell Bräugasse, in verschiedene
Bauabschnitte unterteilt, komplett zu sanieren und so staatliche und auch
stattliche Fördergelder in Anspruch nehmen zu können.
Die Sanierung des einsturzgefährdeten Bodens stellt den I. Bauabschnitt der
Generalsanierung des Kulturmodells Bräugasse dar.
Im Zusammenhang mit einer Baumaßnahme sind natürlich vor allem auch Zahlen
immer interessant.
Zum Kostenvolumen kann gesagt werden, dass die Arbeiten für den
I. Bauabschnitt rund DM 310.000.- gekostet haben. Demgegenüber steht die
Bezuschussung der Maßnahme mit Städtebaufördermitteln i.H.v. DM 250.0000.
Mit diesem Budget wurde in erster Linie natürlich der Boden erneuert.
Aus Kostenersparnisgründen hat man sich dafür entschieden, die alten
Holzdielen soweit als möglich als Bodenbelag wieder zu verwenden. Ein Stück
musste allerdings mit anderen Dielen, die aus dem Dachgeschoss stammen, ergänzt
werden.
Sie sehen also, dass man sehr auf einen Sparkurs bedacht war.
Den regelmäßigen Besuchern des Kulturmodells dürfte schon aufgefallen sein,
dass der neu verlegte Holzboden nicht mehr bei jeder Bewegung knarrt. Wirklich
ein Segen für die Besucher des Hauses, aber auch für jeden künftigen Redner
hier.
Mit dieser Sanierung verbunden wurde auch die Tieferlegung des Bodens, die Herr
Dr. Ueblacker vom Landesamt für Denkmalpflege empfohlen hatte, um dem Raum
wieder, seine nach der Baugeschichte des Hauses, ursprüngliche Gestalt zu
geben.
Sicher ist Ihnen in der Vergangenheit auch aufgefallen, dass die Säulenhöhe
hier im vorderen Bereich immer unproportional zur Raumhöhe gewirkt hat.
Nun haben die Säulen wieder die Höhe, die sie hatten, bevor irgendwann der
Boden, warum auch immer, aufgeschüttet worden war.
Zwangsläufig wurden im Zuge der Deckenerneuerung auch die Kellerräume neu
hergerichtet.
Durch das Herausnehmen von Trennwänden entstand eine, im Gegensatz zu vorher,
jetzt großzügigere Möglichkeit zum Einlagern von Stühlen und Requisiten.
Im donauseitigen Kellerraum hat sich sogar eine Situation ergeben, die es
ermöglicht, dort künftig eine Siebdruckwerkstatt unterzubringen und darüber
hinaus die Litho- und Radierwerkstätte zu entflechten.
Sowohl im Kellergeschoss, als auch im Erdgeschoss wurde die gesamte Elektrik
erneuert, mit Ausnahme der Deckenbeleuchtung im Erdgeschoss, dafür hat leider
das Budget nicht ausgereicht.
Ebenso wurden die gesamte Heizungsverteilung im Kellergeschoss und im
Erdgeschoss sowie die Heizkörper hier im Ausstellungsraum erneuert.
Ein altes Sprichwort hat sich im Zusammenhang mit der Sanierung des
Kulturmodells wieder bewahrheitet: "Nicht selten ein Schaden, bei dem es
nicht auch einen Nutzen gibt".
Seien wir ehrlich, ohne die Einsturzgefahr der Decke im Oktober 1998 hätte es
diese Sanierungsmaßnahme, jedenfalls zum jetzigen Zeitpunkt, nicht gegeben.
Zwar mussten die Künstler zwei lange Jahre auf den Ausstellungsraum verzichten.
Wenn ich mir die neue Ausstellungssituation aber anschaue, hat sich das auf alle
Fälle gelohnt.
Auch die Artothek hat verschmerzt, dass sie während der Dauer der Sanierung in
die Europabücherei ausgelagert war. Christa Macht, die Vorsitzende der
Artothek, ist aber, glaube ich, ganz glücklich darüber, nun doch bald wieder
hier einziehen zu können.
Damit ist dann das Geschehen im Kulturmodell wieder komplett.
Mein Dank gilt dem städt. Hochbauamt, hier vor allem Herrn Preugschas, der
sowohl die Planung für die Sanierung erarbeitet, als auch die Baumaßnahme
verantwortlich durchgeführt hat.
Durch seine kompetente Arbeit hat der Ausstellungsraum nun ein neues
harmonisches Gesicht erhalten.
Dank vor allem auch an unser Kulturamt, das als Bauherr für die gesamte
Maßnahme verantwortlich gezeichnet hat.
Von dort musste die Sanierung auf den Weg gebracht werden, man musste sich um
Nutzungskonzepte und Planungsinhalte, um die notwendigen Beschlussfassungen in
den zuständigen Ausschüssen, um Finanzierungsfragen und um Koordinierung
kümmern und musste in enger Abstimmung mit dem Hochbauamt viele Detailfragen
bei der Durchführung der Maßnahme lösen.
Mein besonderer Dank richtet sich auch an Hubert Huber, den Vorsitzenden des
Berufsverbandes Bildender in Niederbayern.
Herr Huber hat mit seinem persönlichem Einsatz einen sehr wesentlichen Anteil
an dieser Form der Sanierung des Kulturmodells gehabt.
Vor allem seine Überzeugungsarbeit bei der Regierung von Niederbayern hat das
Fliessen von Städtebaufördermittel sehr begünstigt.
Wir alle wissen, dass Herr Huber sozusagen der Motor für den Bereich der
bildenden Kunst in diesem Haus ist.
Er hat auch schon wieder viele gute Ideen, wie man das Kulturmodell als
Künstlerhaus künftig noch besser vermarkten kann. Ein Beispiel für seinen
Ideenreichtum ist die Fahne, die nun vor dem Eingang des Kulturmodells weht und
künftig in einer sehr werbewirksamen Form die Ausstellungen im Haus ankündigen
wird.
Ich habe keinerlei Zweifel daran, dass es Herrn Huber gelingen wird, in Zukunft
diesem Haus zu noch mehr Anerkennung und Erfolg zu verhelfen.
An dieser Stelle darf ich mich auch ganz herzlich bei Frau Waltraud Danzig, der
2. Vorsitzenden des Berufsverbandes Bildender Künstler für die Vorbereitung
dieser Ausstellung und bei dieser Gelegenheit auch für die Unterstützung bei
der Betreuung der Druckwerkstatt hier im Kulturmodell bedanken.
Man muss wissen, dass ähnliche Häuser solche Einrichtungen nur mit einem fest
angestellten Werkstattleiter betreiben.
Im Kulturmodell wird dies von unserer Frau Uhrich mit fachmännischer bzw.
fachfraulicher Unterstützung durch Frau Danzig geleistet.
Nun ist es Zeit, auch einen besonderen Dank an Frau Uhrich auszusprechen, die
das Kulturmodell in der nicht immer einfachen Zeit der Sanierung fast keinen Tag
allein gelassen hat und allen Widrigkeiten zum Trotz dafür gesorgt hat, dass
der sonstige Betrieb im Hause reibungslos weitergelaufen ist.
Wir sind mehr als froh darüber, dass nicht nur die Teilsanierung des Hauses gut
über die Bühne gegangen ist, sondern vor allem auch, dass nun durch den
Stadtrat die Weichen dafür gestellt werden konnten, dass Frau Uhrich, die mit
diesem Haus seit Anbeginn verbunden ist, diesem auch erhalten bleiben kann.
Lassen Sie mich noch einige Sätze zur Ausstellung "Neue Arbeiten aus der
Druckwerkstatt" sagen.
Dass die im Kulturmodell tätigen Künstler während der Dauer der
Sanierungsarbeiten nicht untätig geblieben sind zeigt die Ausstellung die heute
eröffnet wird.
Ich habe mir in diesem Zusammenhang sagen lassen, dass die Litho- und
Radierwerkstätte eine nahezu 100%ige Auslastung über das Jahr hat. Eine
Situation die klar macht, wie groß die Nachfrage nach Arbeitsmöglichkeiten,
wie sie im Kulturmodell geboten werden, einfach ist.
Alle Künstler die heute hier ausstellen, darunter auch 3 Künstler aus Pilsen,
haben regelmäßig längere Zeit hier im Haus gearbeitet. Ich darf sie alle
namentlich vorstellen:
Es sind dies: Rose Bäuerle, Waltraud Danzig, Toni Eckert, Andreas Heckmann,
Hubert Huber, Patricia Kaiser, Angelika von Krieglstein-Bender, Darko Lesjak,
Helga Mader, Josef Mistera, Renate Moran, Otto Müller, Jiri Novak, Irene
Oswald, Beate Pohlus, Stanislav Polaczek, Brigit Reinhardt, Jürgen Reipka,
Monika Rousselle, Theo Scherling, Ilse Stadler, Andrea Unterstraßer, Renate
Walter und Christian Zeitler.
Mit jeweils 2 Exponaten stellen diese Damen und Herren nun ihr Schaffens im
Kulturmodell während der Zeit der Sanierung vor.
Die Radierungen, Monotypien, Lithographien, Mischtechniken und Holzschnitte, die
präsentiert werden, geben einen Eindruck von der Vielfalt der künstlerischen
Arbeit hier im Haus.
Das Kulturmodell mit der Druckwerkstatt bietet einfach auch ideale
Arbeitsbedingungen. Ich glaube, sicher davon ausgehen zu können, dass die
Künstlerinnen und Künstler sich hier auch sehr wohl gefühlt haben. Diese
gelungene Ausstellung ist dafür der beste Beweis.
Auch in Zukunft wird das Kulturmodell für viele Künstler ein Domizil sein, in
dem sie arbeiten und zeitweise sogar auch wohnen können.
Von Herrn Huber weiß ich, dass der BBK vor allem den Künstleraustausch weiter
ausbauen möchte.
Künstler aus anderen Städten und vor allem aus anderen Ländern sollen
vermehrt Gelegenheit bekommen, hier im Haus zu arbeiten. Im Gegenzug dazu werden
sich natürlich diese Künstler dann bemühen, unseren Leuten ebenfalls
Arbeitsmöglichkeiten in ihrer Heimat zu bieten.
Mit diesem Inhalt ist das Kulturmodell auf dem besten Weg, sich zu einem
tatsächlichen Europäischen Haus zu entwickeln.
Die Kulturstadt Passau kann sehr stolz auf diese Einrichtung sein, die schon
lange aus der Modellphase herausgewachsen ist und die mittlerweile
Vorbildcharakter hat.
Dem Kulturmodell wünsche ich, dass es weiterhin ein Ort mit regem und buntem
Künstlerleben sein wird, an dem sich Synergien entwickeln und an dem
Kreativität ihren Ausdruck finden kann. Ich freue mich heute bereits wieder auf
viele weitere interessante Ausstellungen in diesem so gelungen sanierten Raum.
Abschließend darf ich mich noch sehr herzlich bei Herrn Heinz Scholler
bedanken, der uns heute Abend mit dezentem Klavierspiel unterhalten wird.
Ihnen allen sage ich Dank für ihr Kommen und wünsche ihnen noch viel Freude
beim Betrachten der Bilder und nette Gespräche.